KI kann viel. Aber nicht alles – und längst nicht so zuverlässig, wie die Werbung suggeriert. Dieser Artikel gibt einen ehrlichen Überblick: was funktioniert, was nicht, und worauf Sie beim Einsatz im Unternehmen achten sollten.
Was ist KI überhaupt?
Wenn heute jemand "KI" sagt, meint er meistens ChatGPT – oder eines der ähnlichen Systeme wie Claude (Anthropic) oder Gemini (Google). Diese Tools nennt man Large Language Models, kurz LLMs. Sie können Text verstehen und generieren.
Sie wurden auf riesigen Textmengen trainiert und können dadurch sehr menschlich klingende Antworten produzieren. Wichtig zu verstehen: Sie suchen nicht im Internet. Sie generieren Antworten aus dem, was sie gelernt haben. Das ist gleichzeitig ihre Stärke und ihr grösster Schwachpunkt.
Kurz gesagt: KI weiss nichts. Sie erkennt Muster und sagt voraus, was als nächstes kommen könnte. Das klingt oft überzeugend – stimmt aber nicht immer.
Was KI wirklich gut kann
Wer weiss wie, spart mit KI viel Zeit. Diese Aufgaben funktionieren heute gut:
- Texte schreiben: E-Mails, Berichte, Angebote – KI liefert in Sekunden einen brauchbaren Entwurf. Den man dann noch anpassen muss, aber der Grossteil ist erledigt.
- Zusammenfassen: Langes Dokument, langes Meeting-Protokoll – KI bringt es in wenige Sätze.
- Übersetzen: Schnell, gut, kostenlos. Für die meisten Sprachen heute problemlos nutzbar.
- Strukturieren und brainstormen: Ideen sortieren, Argumente aufbauen, Präsentationen vorbereiten.
- Code schreiben: Für Entwickler besonders nützlich – Fehler finden, Funktionen erklären, neuen Code vorschlagen.
- Recherche: Themen schnell erschliessen, Hintergrundinfos zusammenfassen. Als Einstieg gut – nicht als einzige Quelle.
- Kundenkommunikation: Antwortvorlagen, FAQ-Texte, personalisierte Nachrichten in grosser Menge.
Studien zeigen: wer KI richtig einsetzt, arbeitet rund 25–40% schneller. Wer sie falsch einsetzt, hat mehr Aufwand als vorher. Der Unterschied liegt fast ausschliesslich darin, wie man die Fragen stellt.
Was KI nicht kann
Diese Punkte werden oft unterschätzt – und führen dann zu Problemen.
- Aktuelle Informationen: Die meisten Modelle haben einen Wissensschnitt und kennen neuere Ereignisse nicht. Für aktuelle Themen immer mit einer anderen Quelle gegenprüfen.
- Fakten garantieren: KI erfindet manchmal Quellen, Zahlen, Namen – und das klingt überzeugend. Zahlen und konkrete Aussagen immer prüfen, nie blind übernehmen.
- Ihren Betrieb kennen: KI kennt Ihr Unternehmen nicht, Ihre Kunden nicht, Ihre Branche nur oberflächlich. Was sie liefert, ist generisch – anpassen müssen Sie es selbst.
- Verantwortung übernehmen: Was KI produziert, sind Entwürfe. Entscheidungen treffen Sie. Das klingt selbstverständlich – in der Praxis wird es oft vergessen.
- Wirklich kreativ sein: KI kombiniert was sie kennt. Wirklich neue Ideen, unerwartete Perspektiven, echte Empathie – das bleibt Menschensache.
- Vertrauliche Daten schützen: Ohne die richtigen Einstellungen können Ihre Eingaben für das Training verwendet werden. Dazu mehr weiter unten.
KI übernimmt
- Routinetexte und Entwürfe
- Zusammenfassungen
- Erste Recherche-Schritt
- Übersetzungen
- Strukturierung von Ideen
Mensch bleibt zuständig
- Faktenprüfung
- Endentscheid & Verantwortung
- Vertrauliche Informationen
- Kundenbeziehungen
- Strategische Urteile
Datenschutz: Was darf ich eingeben?
Das ist die Frage, die wir am häufigsten hören. Und die am häufigsten falsch beantwortet wird.
Bei der kostenlosen Version von ChatGPT werden Ihre Eingaben standardmässig für das Training verwendet. Was Sie eingeben, kann theoretisch anderen Nutzern in Antworten begegnen.
Was nicht rein darf
- Namen, Adressen oder Kontaktdaten von Kunden oder Mitarbeitenden
- Finanzielle Kennzahlen, Budgets oder interne Berichte
- Vertragsdetails oder rechtlich sensible Dokumente
- Passwörter, API-Keys oder Zugangsdaten
- Patientendaten oder andere besonders schützenswerte Informationen
Wie man es richtig macht
- Training ausschalten: Bei ChatGPT geht das in den Einstellungen. Bei Claude (Anthropic) ist das in der kostenpflichtigen Version bereits standard.
- Business-Version nutzen: ChatGPT Enterprise und vergleichbare Versionen speichern keine Daten fürs Training. Für Betriebe die regelmässig damit arbeiten, klar die bessere Wahl.
- Anonymisieren: Statt echte Kundennamen zu verwenden, einfach "Unternehmen A" oder "Mitarbeiterin X" schreiben. Gleich gutes Ergebnis, deutlich weniger Risiko.
- DSG beachten: In der Schweiz gilt das Datenschutzgesetz. US-Anbieter wie OpenAI unterliegen zusätzlich US-Recht. Wer in einer sensiblen Branche arbeitet (Gesundheit, Recht, Finanzen), sollte das rechtlich einschätzen lassen.
ChatGPT, Claude, Gemini – welches Tool ist das richtige?
Keines davon ist das beste – sie haben unterschiedliche Stärken.
Das bekannteste. Stark in der Textgenerierung, grosses Angebot an Erweiterungen. Die Plus-Version kann auch Bilder generieren und Dateien analysieren. Guter Einstieg für die meisten.
Besonders gut bei langen Texten und wenn Präzision wichtig ist. Gilt als eines der zuverlässigsten Modelle – weniger Halluzinationen, besserer Umgang mit heiklen Themen. Unsere Empfehlung für den Unternehmenseinsatz.
Direkt in Gmail, Docs und Sheets integriert. Wer bereits mit Google Workspace arbeitet, hat damit den einfachsten Einstieg. Hat Zugriff auf aktuelle Informationen via Google-Suche.
Fazit: KI richtig nutzen lohnt sich
KI spart Zeit – wenn man weiss was man tut. Der Unterschied liegt nicht darin ob ein Unternehmen KI einsetzt. Fast alle tun das bereits. Der Unterschied liegt im wie.
Wer versteht wie KI funktioniert, wie man eine gute Frage stellt und was man nicht eingeben darf, holt deutlich mehr raus. Wer einfach drauflos tippt, verschwendet Zeit – oder macht Fehler die er nicht bemerkt.
Drei Regeln reichen für den Anfang: Keine vertraulichen Daten eingeben. Zahlen und Fakten immer prüfen. KI liefert den Entwurf – Sie entscheiden was daraus wird.
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